Die Marquise von O / Über das Marionettentheater

Fotos: Christian Nielinger


Literaturoper

nach der gleichnamigen Novelle und dem gleichnamigen Essay von Heinrich von Kleist

(2018)

 

Hein­rich von Kleist ist ein li­te­ra­ri­scher Grenz­gän­ger. 1777 in Frank­furt an der Oder ge­bo­ren lebt er in ei­ner Zeit grund­le­gen­der ge­sell­schaft­li­cher po­li­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Ver­än­de­run­gen. Es ist das Zeit­al­ter der Auf­klä­rung, in dem die mensch­li­che Ver­nunft zum Maß­stab ei­nes je­den Han­delns er­klärt wird, man sich von al­ten Denk­wei­sen und frü­he­ren Vor­stel­lun­gen löst und ge­gen blin­den Ge­hor­sam ge­gen­über der Kir­che und an­de­ren O­brig­kei­ten wen­det. Das Bür­ger­tum wird zur füh­ren­den Ge­sell­schafts­schicht.

 

Libretto und Regie: Andreas Durban

Musikalische Leitung: Georg Leisse

Projektionen: Julia Suermondt

Kostüme: Angela Schütt

 

Marquise von O

Hein­rich von Kleist be­wegt sich mit sei­nen Wer­ken zwi­schen den I­de­a­len der Auf­klä­rung und E­le­men­ten der Ro­man­tik. So re­flek­tiert er bei­spiels­wei­se in sei­nen Wer­ken die so­zia­len Ver­hält­nis­se der da­ma­li­gen Zeit und kri­ti­siert da­bei ins­be­son­de­re die bür­ger­li­chen Mo­ral­vor­stel­lun­gen. In sei­ner 1807 er­schie­ne­nen No­vel­le "Die Mar­quise von O." ver­spot­tet er die Dop­pel­mo­ral der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft, in der ei­ne un­ehe­li­che Schwan­ger­schaft ei­ne Schan­de für die gan­ze Fa­mi­lie ist und für die Frau den Aus­schluss aus der Ge­sell­schaft be­deu­tet- in der a­ber auch al­les er­laubt ist, so lan­ge es im Ver­bor­ge­nen ge­schieht.

Ro­man­ti­sche Zü­ge er­hält die Ge­schich­te un­ter an­de­rem durch die Be­schreibung von Ge­füh­len, die die han­deln­den Per­so­nen oft sprach­los ma­chen und die Dar­stel­lung höchst sub­jek­ti­ver Em­pfin­dun­gen.

 

Komposition: Henrik Albrecht

 

Andrea Graff - Marquise

Juliane Bogner - Obristin

Thomas Huy - Obrist

Christoper Auer - Offizier

Sarah-Léna Winterberg - Hebamme

Sofia Luz Held - Arzt

Niklaus Loosli - Forstmeister

 Über das Marionettentheater

In sei­nem Es­say "Über das Ma­rio­net­ten­the­ater" setzt Kleist sich mit der äs­the­ti­schen Grund­fra­ge, wo der 'wah­re' Künst­ler zwi­schen den bei­den ge­gen­sätz­li­chen Po­si­tio­nen ur­sprüng­li­cher Na­tür­lich­keit und e­la­bo­rier­ter Kunst­fer­tig­keit an­zu­sie­deln sei, aus­ein­an­der.

Herr C. trifft zu­fäl­lig ei­nen Tän­zer der O­per, der wäh­rend die­ser Be­geg­nung sei­ne Welt­an­schau­ung im Ge­spräch über Ma­rio­net­ten zum Aus­druck bringt. Da­nach sei­ne Ma­rio­net­ten, die me­cha­nisch, oh­ne ihr Zu­tun aus ih­rem Schwer­punkt be­wegt wer­den, dem Men­schen an Gra­zie über­le­gen. Die­se Übe­rle­gen­heit be­grün­det er da­mit, dass die Pup­pen oh­ne Be­wusst­sein sei­en und "anti­grav" wä­ren. Zur Un­ter­stüt­zung die­ser The­se wer­den ei­ni­ge Ge­schich­ten dar­ge­stellt. Der Auf­satz en­det mit der Be­haup­tung des Tän­zers, dass diese Gra­zie nur in ei­nem Tier oder ei­nem We­sen oh­ne Be­wusst­sein oder mit ab­so­lu­tem Be­wusst­sein, ergo Gott, er­schei­ne.

 

Kompostition: Michael Gerihsen

 

Thomas Huy - Erzähler

Niklaus Loosli - Tänzer